Bewusstseinserweiterung

BlumeBewusstseinserweiterung ist auf dem Weg des Yoga unumgänglich. Voraussetzung dafür ist ein unbeirrbares Interesse für die Yogaphilosophie und ein starkes inneres Vertrauen in die eigenen Selbstheilkräfte.  Das Thema „Bewusstsein“ scheint grenzenlos. Doch wenn das Bewusstsein in Aktion treten soll, um gute Dienste zu leisten, aber kein erforderliches Bewusstsein aufgebracht werden kann, sind die Grenzen oft schnell erreicht. Es kann heftige Debatten auslösen, sobald es um Meinungen rund um dieses Thema geht. Dabei lässt sich erkennen, wo ein Mensch mit seinem Bewusstsein steht und wie er mit ihm umgeht. Zum Beispiel wird ein entwickelteres Bewusstsein die Meinungen anderer zulassen können und muss die eigenen nicht in den Vordergrund stellen.

Ein Bewusstsein lässt sich auf allen thematischen Ebenen erweitern. Vorrangig wären Umweltbewusstsein, Ernährungsbewusstsein, Verhaltensbewusstsein, politisches Bewusstsein und auch Beziehungsbewusstsein zu nennen und nicht zuletzt das spirituelle Bewusstsein. Ungünstig wirkt sich ein scheinbar fortgeschrittenes spirituelles oder esoterisches Bewusstsein aus, während gleichzeitig die Fähigkeit, den Alltag selbst zu bewältigen, nachlässt oder gar verkümmert. Jeder von uns hat seine Talente, doch mit Bewusstsein muss das nichts zu tun haben. Sinnvoll ist es, ein Bewusstsein auf der Ebene zu entwickeln, die stark bedürftig ist. Nun, wir sehen die Vielschichtigkeit der Thematik.

SonnenblumenDas wahre innere Selbst – gewaltlos und genügsam

In einem bekannten Bibelzitat heißt es: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. So sind beispielsweise typische Auswirkungen eines gereiften Bewusstseins: friedliches Verhalten, Hilfeleistungen, Umweltbewusstsein und Selbstwahrnehmung. Diese Tugenden zählen zu den selbstlosen Eigenschaften. Ein Egoist beispielsweise ist sich seines ichbezogenen Charakters nicht bewusst. Er hält sich selbst für unfehlbar. Dies ist ein zentrales Thema im Yoga. Nur durch eine Bewusstseinserweiterung wird der Betreffende in der Lage sein, die eigene Persönlichkeitsstruktur zu erkennen und damit einen positiven Wandel in seinem Verhalten einzuleiten. Wandlungsprozesse dieser Art lassen sich bis zu transzendentalen Erweiterungen im Bewusstsein fortsetzen. So lange, bis sich egoistische Verhaltensweisen zu einer selbstloseren Seinsstruktur transformiert haben.

HerbstlaubVom Ego zum wahren inneren Selbst, das gewaltlos und genügsam ist und eine friedvolle Stimmung ausstrahlt. Gewalt hingegen weist deutlich auf eine starke Unausgewogenheit in der Persönlichkeit hin. Dissonanzen in den subtilen Seelenkräften wirken gleichsam selbstzerstörerisch. Nur so, wie ich mich selbst anerkenne, werde ich meine Nächsten annehmen und mit ihnen konstruktiv umgehen können. Ungünstig wirkt sich ein Verhalten aus, das nach außen selbstlos erscheint, während sich im Inneren Aggressionen aufbauen. Ein Mensch mit einem solchen Verhaltensmuster inszeniert sich unbewusst in einer Rolle, und nur die Zeit wird die Wirklichkeit zum Vorschein bringen. Es gibt keinen Frieden durch Gewalt. Ein großzügiges Bewusstsein wird das verstehen, nach dieser Erkenntnis leben, seine Haltung an seine Umwelt ausstrahlen und weitergeben.

Bewusstsein transformieren durch unkonditionierte Energie

Höheres Bewusstsein bringt Dankbarkeit und Mitgefühl zum Ausdruck. Yoga vermittelt diese Qualitäten seit tausenden von Jahren. Die Yogadisziplin hat nichts mit Ausruhen zu tun. Erforderliche Überwindungsprozesse benötigen Engagement statt Trägheit. Genau daran scheitern die meisten. Atemzüge, die beispielsweise während des Joggens entstehen, sind nicht vergleichbar mit Atemzügen, die aus der Ruhe vertieft werden. Diese würden uns letztlich jene unkonditionierte Energie verleihen, die unser Bewusstsein transformiert und unsere Nerven stabilisiert. Wer auf einen Wandel nicht vorbereitet ist, wird keinen Wandel erfahren. Yoga beschränkt sich definitiv nicht auf bloße Asanas. SchwalbenDer materiell orientierte Westen allerdings weist große Defizite auf und nutzt geradezu Yogatechniken, um die materielle Welt zu expandieren. Auch dafür ist ein Bewusstseinswandel längst überfällig.

Der höchste aller Bewusstseinszustände definiert sich durch das reine Sein, dem „Tausendblättrigen Lotus“ zugeordnet, auch Scheitelchakra genannt. Es befindet sich auf der Schädeldecke, den Fontanellen. Damit verbunden ist ein geklärter und zugleich flexibler Geist. Dieser setzt Erkenntnisse in die Tat um und beschränkt sich nicht darauf, sie als Wunschvorstellungen vor sich her zu tragen. Soll beispielsweise gefastet werden, so wird gefastet.

Überflüssiges hinter sich lassen

Der denkende Geist wird zum Instrument, nicht aber zu einem unbeherrschbaren Hindernis. Erweiterungen des Bewusstseins öffnen den geistig-seelischen Horizont. Gleichzeitig steigt die Verantwortung nicht nur für das eigene Wohlbefinden, sondern auch für das der Umgebung und der Umwelt. Auf diese Weise lassen wir überflüssige weltliche Dinge hinter uns. Welche genau, das hängt von jedem Einzelnen ab. Es reicht von schädlichem Essverhalten bis hin zur sexuellen Abhängigkeit. Permanent vorhandene Informationen über den aktuellen Stand der Lebensenergie können über das erweiterte Bewusstsein deutlicher wahrgenommen werden, und daraus folgt ein entsprechendes Verhalten.

Unser Bewusstsein zeigt uns unsere Grenzen, damit wir mit ihnen umgehen können. Wir können sie akzeptieren oder öffnen. Nach Aussagen der Bhagavat Gita müssen im Bewusstsein befreite Menschen nicht mehr wiedergeboren werden.

Bildquelle: Pixabay; Blume: Susan Capriano, Sonnenblumenfeld: enriquelopezgarre, Schwalben: Monika Helmecke, Herbstlaub: Manfred Richter