Der Körper ist Ausdruck der Seele

Der Seelenzustand übt einen hohen Einfluss auf unsere Gesundheit aus, ganz gleich, ob es sich um Knochen, Muskeln, Organe, Drüsen oder das Immunsystem handelt. Der stabilste Knochen erkrankt, wenn es der Seele nicht gut geht. Der Emotionalkörper, eine subtile Nervenenergie, wirkt auf unseren Vitalzustand ein wie das Wetter auf das Barometer. Seele und Emotion hängen eng zusammen. So wie das Kalzium den Knochen stärkt, so beeinflusst der Seelenzustand die Emotion. Zu guter Letzt bestimmt die Seele, wie sich vitale biochemische Prozesse in unserem Körper positiv oder eben auch negativ auf unser Wohlbefinden auswirken.

Die Frage ist: Wie gehen wir mit diesen Einflüssen um, damit es uns gelingt, in unserer Mitte zu bleiben? Und nicht, wie es in der Bhagavad Gita heißt, wie ein welkes Blatt im Wind umhergetrieben zu werden. Es scheint, als seien wir alle abhängig von äußeren Einflüssen, ihnen sogar ausgeliefert. Das ist tatsächlich die Regel.

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Menschen, die es nicht schaffen, ihre Emotionen auszugleichen, übertragen ihre Aggressionen, ihren Kummer, Neid oder Eifersucht auf ihre Mitmenschen. Dazu gehören unter anderem die „emotionalen Vampire“, die uns in unserem Alltag begegnen und auf sich aufmerksam machen, etwa durch pausenloses, unkontrolliertes Reden, inhaltsloses Geschwätz, Verbreitung von Gerüchten bis hin zu gezieltem Mobbing, Stalking, emotionalen Verletzungen und womöglich handgreiflicher Brutalität. Und die Aggression im Straßenverkehr erleben wir bei fast jeder Autofahrt. All diese negativen Einflüsse wirken sich auf unseren Seelenzustand aus.

Es müssen derartige Einflüsse aber nicht immer von anderen ausgehen. Wie sieht es in jedem von uns selbst aus? Gehören wir womöglich selbst zu den potenziellen Vampiren? Jemand, der seinen Mitmenschen willentlich einen Schaden zufügt, weist bereits einen entgleisten Seelenzustand auf und überträgt diesen auf andere.

Seelenkräfte sind mächtig. Sie bringen uns Freude und Glück oder aber Krankheit und Tod. Eine ausgeglichene Seele tut keiner Fliege etwas zuleide. Wie es tatsächlich in uns aussieht, erfahren wir ausschließlich durch die Selbstanschauung in Form von Asanas und Meditation. Oder besser noch durch erkenntnisreiche, tiefenwirksame Energieprozesse. Das bedeutet in der Praxis, dass wir den Mangel, den der entgleiste Seelenzustand aufweist, ausschließlich durch uns selbst wieder ausgleichen.

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Um dies durchführen zu können, brauchen wir einen sehr starken Willen (Nervenkraft). Keineswegs hilfreich sind dabei irgendwelche sinnlos aneinandergereihten Asanas oder Meditationen, die nicht dem Energiegewinn dienen. All dies würde, wie nicht selten, statt zur Erkenntnis nur zu einer Rechtfertigung führen. Damit bliebe trotz Yoga alles beim Alten. Fehler werden also gemacht, wenn Rechtfertigungen mit Erkenntnissen verwechselt werden. Die Seele wäre dadurch getäuscht worden, und der defizitäre Zustand würde bestehen bleiben.

Was ist nun von Bedeutung? Statt uns zu rechtfertigen oder hilflos in der leidvollen Situation zu verharren, sollten wir uns souverän in einen erkenntnisreichen, demutsvollen Energiezustand bewegen. Es gibt in der Tat so etwas wie einen Gott, der alles registriert und entsprechend reagiert. Yogis haben mit Recht für innere und äußere Energieprozesse Götter ernannt, denn auf menschliche Verhaltensweisen folgen sehr präzise entsprechende Reaktionen, die sich nicht verdrängen lassen.

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In irgendeiner Weise verschafft sich die Seele einen Ausgleich, und sei es durch Krankheit, Befreiung oder Tod. Hier werden auch die Begriffe Sünde und Buße verständlich. Diese allerdings werden von religiösen Institutionen oft in anderer Weise interpretiert und leider für eigennützige Zwecke missbraucht. Dass jemand anders uns unsere Sünden vergibt, wäre ja an und für sich erfreulich, viel wichtiger hingegen ist jedoch, dass wir uns selbst vergeben. Und das, so die yogische Sicht, geschieht durch Selbsterkenntnis. Veränderung ist nur möglich, wenn wir uns selbst erkennen, das heißt, vollkommen ehrlich den Ist-Zustand feststellen, und wenn es noch so schmerzlich sein sollte.

Um das zu schaffen, ist eine straffe Disziplin erforderlich. Ansonsten bleiben wir Opfer der emotionalen Vampire – womöglich auch unserer selbst – und lassen uns hilflos und unter Rechtfertigungen die Lebensenergie aussaugen. Gelingt es jedoch, durch die Arbeit an uns selbst subtilste Nerven in uns wiederzubeleben, so werden wir Zeuge wundersamer Energieprozesse. Die Seele heilt ihren Körper. Der Arzt ist das Bewusstsein, dem überzeugend die Navigation durch das Karma innerer Hindernisse gelingt und das mit dem nötigen Selbstvertrauen das Ziel erreicht. Das ist eine große Transformation und eine hohe Form des Yoga, die unsere sensible Seele gesunden lässt.

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